Aktuelles

VW-Sklavenarbeit in Brasilien: Welthaus Bielefeld wies bereits 1984 auf Zustände hin

Recherche-Ergebnisse wurden von VW-Konzern ignoriert

WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung berichteten am 11. August 2017 über eine Rinder-Farm des Autokonzerns Volkswagen in Brasilien, bei in den 1980iger Jahren Landarbeiter wie Sklaven behandelt wurden. Die im Amazonasgebiet gelegene Farm „Vale do Rio Cristalino“ ist jedoch nicht erst seit heute für diese Praktiken bekannt.

Das Welthaus Bielefeld informierte bereits 1984 über die massiven Vorwürfe gegenüber dem VW-Unternehmen – mit großem Echo in der entwicklungspolitisch interessierten Öffentlichkeit der 80er Jahre. In die öffentlich-rechtlichen Medien schaffte es das Thema damals jedoch nicht.

„Die Farm am Amazonas“ der Arbeitsgruppe Brasilien erklärte auf

Unter dem Titel „Die Farm am Amazonas“ fasste damals das Welthaus Bielefeld den Kenntnisstand aus mehreren Quellen zusammen und machte das Thema damit der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich. Die mehrere tausend Exemplare waren schnell vergriffen. Herausgeber des Info-Heftes war die „Arbeitsgruppe Brasilien“, eine Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen des damals noch unter dem Namen „Dritte Welt Haus“ firmierenden Welthauses Bielefeld.

So veröffentlichte das Informationsheft auch einen ins Deutsche übersetzen Ausschnitt eines Artikels der brasilianischen Zeitung „O Sao Paulo“ vom 3. Juni 1983. Landarbeiter berichteten darin als Zeugen von der massiven Gewalt und von Sklaverei ähnlichen Zuständen auf der Farm. Die Vorwürfe waren auch damals dem VW-Konzern nicht unbekannt, wie das Heft berichtet. Es habe sogar eine Einladung von brasilianischen Kritikern auf die Farm gegeben, bei der alle Vorwürfe von Vertretern der Farm und der Wolfsburger PR-Abteilung von VW zurückgewiesen worden seien.

Die Recherchen von WDR, NDR und SZ bestätigten nun, dass auch die Konzernspitze in Wolfsburg spätestens im Jahr 1983 über Vorwürfe gegen die Farm informiert worden war. Helmut Hagemann,  Vertreter der damaligen Welthaus-Bielefeld-Gruppe kommentiert: „Medien haben sich damals nicht interessiert. Gut, dass das Thema jetzt nochmal auf den Tisch kommt!“

Pressemitteilung des Welthaus Bielefeld vom 11.08.2017