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Jahresbericht 2018

Liebe Freund*innen des Welthaus Bielefeld,

das Stichwort Große Transformation ist heute in vielen wissenschaftlichen Publikationen zu finden. Gemeint ist damit jener Umbruch der Weltgesellschaft, an dem wir wohl nicht vorbei kommen, wenn wir überleben wollen: Die Dekarbonisierung von Produktion und Konsum und der Abschied von einem Wohlstandsmodell, das die Ökosysteme zerstört und die planetarischen Grenzen deutlich überschreitet.

Die Große Transformation war bisher eher ein Thema für Insider und Expert*innen. Wir können aber davon ausgehen, dass sie in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird. Die Klimaschutz-Gesetze der Bundesregierung – wie unzureichend auch immer sie sein mögen – sind ein Schritt in diese Richtung. Sie werden in unserer Gesellschaft unweigerlich zu neuen Verteilungskämpfen führen. Welche Gruppen, Industrie-Bereiche oder Wirtschaftsakteure müssen welche Veränderungen hinnehmen, damit das Ziel einer Treibhausgas-Neutralität bis 2050 noch erreicht wird? Welche Konsum-Einschränkungen werden die Menschen akzeptieren? Wie sollen die Steuer-Gelder verteilt werden, wenn alle Lobby-Gruppen darauf pochen, dass ohne staatliche Unterstützung die ihnen abverlangten Umstellungen nicht realisiert werden können?

In einem gesellschaftlichen Klima der Besorgnis, Einschränkungen bei Wohlstand und Lebensstil hinnehmen zu müssen, könnte die Aufgabe einer entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation darin bestehen, daran zu erinnern, dass jenseits der Wahrnehmung eigener Interessen ein Blick über den Tellerrand unverzichtbar ist. Die notwendige Große Transformation ist nicht im nationalen Bezugsrahmen zu verwirklichen. Klimaschutz ohne die gleichzeitige Finanzierung von Maßnahmen der Klima-Anpassung im Globalen Süden würde die schon heute durch die Erderwärmung vital Geschädigten allein lassen und zu weiteren sozialen Verwerfungen führen. Auch die Dekarbonisierung ist nur dann sinnvoll, wenn sie weltweit realisiert wird, was entsprechende Investitionen und Technologie-Transfers in den ärmeren Ländern erfordert. Internationale Zusammenarbeit, nicht my Country first, ist also eine Voraussetzung dafür, dass die Große Transformation gelingen kann.

An diese Zusammenhänge zu erinnern, dazu möchten wir als Welthaus Bielefeld einen Beitrag leisten. Unsere Bildungsarbeit will in dieser Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche das Eine-Welt-Bewusstsein hier bei uns stärken. Unsere Auslandsprojekte unterstützen Partnerorganisationen dabei, Wege in eine bessere Zukunft trotz der globalen Bedrohungen zu finden. Unser Kultur-Büro versucht mit verschiedenen Veranstaltungsformaten Solidarität und Zusammenhalt erlebbar zu machen und unser weltwärts-Programm will jungen Menschen Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen.

Wir danken allen Menschen, die unsere Arbeit im vergangenen Jahr ideell, materiell und mit persönlichem Einsatz unterstützt haben – ein kleiner Beitrag hin zur Großen Transformation.

Unser Jahresbericht 2018.