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„Armuts- und Umweltfragen gehören zusammen“

Pirmin Spiegel fesselt Publikum der Stiftung Welthaus Bielefeld

 

Selten ziehen Redner ihre Zuhörerinnen und Zuhörer so in ihren Bann wie Pirmin Spiegel am Freitagabend bei der Stiftung Welthaus Bielefeld. Die durchaus provokanten Thesen des Misereor-Hauptgeschäftsführers diskutierten die rund 50 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beim anschließenden Empfang intensiv weiter.

Vor gut einem Jahr hatte die Stiftung Welthaus Bielefeld den Termin mit Pirmin Spiegel vereinbart, nun drohten der Sturm Xavier und die damit verbundenen Ausfälle im Bahnverkehr den Besuch zu kippen. „Doch alles ging glatt“, zeigte sich Christiane Wauschkuhn, Vorsitzende des Stiftungsrates, erleichtert.

Und damit war Spiegel schon mitten in seinem Thema: dem Klimawandel und seinen Auswirkungen insbesondere auf die verletzlichsten Menschen – die Armen. Dabei machte er deutlich, dass diejenigen Gesellschaften, die zu den Hauptverursachern des Klimawandels zählen, bislang kaum mit den zerstörerischen Auswirkungen für Menschen und Natur zu kämpfen hätten. Und wenn doch, so seien die Industrieländer so gut aufgestellt, dass sie sich relativ leicht an die Folgen anpassen könnten.

Dagegen hätten diejenigen Menschen, die am wenigsten zu den Klimaveränderungen beigetragen hätten, heute und in Zukunft am meisten unter den Folgen zu leiden. Armuts- und Umweltfragen gehörten also zusammen. „Es ist extrem ungerecht, wie die industrialisierten Länder und die wohlhabenden Ober- und Mittelschichten weltweit heute leben,“ konstatiert er und fordert auf: „Wir sind diejenigen, die ihr Handeln verändern müssen!“ Er betonte, dass es weiter reichende und tiefer greifende Veränderungen brauche, auf der individuellen und kollektiven Ebene, in Politik, Wirtschaft und allen anderen Sphären der Gesellschaft.

50 Zuhörer*innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft

Seine überzeugend und mit Leidenschaft vorgetragenen Worte trafen da wohl auf die richtigen Ohren im Publikum: Mitglieder aller Parlamente – von Elmar Brock als Europaparlamentarier über Dr. Wiebke Esdar aus dem Bundestag bis zu Christina Kampmann als Mitglied des Landtags NRW – sowie zahlreiche lokale Vertreterinnen und Vertreter der Politik, der  Energie- und Finanzwirtschaft und der Zivilgesellschaft hören gespannt zu.

Bewegung von Kleinbauern als Beispiel

Auch der anschließende Bericht über die Bewegung von Kleinbauern in Brasilien „Movimento dos Pequenos Agricultores“ (MPA) machte deutlich, wie sehr Armut- und Umweltfragen zusammengehören. Kristina Baumkamp, Auslandsreferentin im Welthaus Bielefeld, zeigte, wie sich die Organisation für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Bewahrung der Natur einsetzt. Indem sie mit der  lokalen Vermarktung ihrer Produkte ihren Lebensunterhalt langfristig sichern, könnten die Kleinbauern den Angeboten des Agrobusiness widerstehen, ihr Land zu verkaufen. Die Arbeit der MPA wird vom Welthaus Bielefeld unterstützt.

Die Impulse der Redner vertieften die Zuhörerinnen und Zuhörer beim anschließenden Sektempfang in intensiven Diskussionen. „Mit unserem  Jahresempfang wollen wir gesellschaftliche Gruppen für die globalen Zukunftsthemen und das Motto „Global denken – Lokal handeln“ interessieren. Ich denke, mit dem heutigen Abend ist uns das besonders gut gelungen“, zeigte sich Christiane Wauschkuhn zufrieden.  

Die beiden Vortragenden Primin Spiegel und Kristina Baumkamp im Gespräch (im Vordergrund)