Gender – Konzept des Welthaus Bielefeld
Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellungspolitik und Gender Mainstreaming sind ein wichtiger Themenkomplex in der Arbeit des Welthaus Bielefeld. Ein entsprechender Passus findet sich im Leitbild, dem entsprechend im Rahmen der Arbeit auf „die Stärkung der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Stellung der Frau nach dem Gender-Ansatz“ zu achten ist.
Das eigens entwickelte Gender Konzept des Welthaus Bielefeld gliedert sich in fünf Elemente:
- Situationsbeschreibung: Umsetzung von Gender Mainstreaming im Welthaus Bielefeld
- Ziele des Gender Mainstreaming
- Konkrete Maßnahmen und zukünftige Aufgaben
1. Situationsbeschreibung: Umsetzung von Gender Mainstreaming im Welthaus Bielefeld
Im Rahmen der internen Arbeitsstrukturen:
- Verankerung des Gender-Ansatzes im Leitbild
- Im Rahmen der Geschäftsordnung ist eine Quotierung der hauptamtlichen Stellen vorgesehen „Bei Einstellungen ist darauf zu achten, dass die Parität zwischen Frauen und Männern gewahrt bleibt (nach Stellenumfang)."
- Sowohl von der MV, dem Vorstand als auch den MitarbeiterInnen des Welthauses besteht ein Interesse an der Umsetzung von Gender Mainstreaming.
- Insgesamt besteht ein hoher Bewusstseinszustand in Bezug auf Geschlechtersensibilität. Es existieren verschiedene Anknüpfungspunkte in der Geschichte des Vereins (ehemalige Frauengruppe, Gender Trainings).
- Aufgrund der Quotenregelung ist das Geschlechterverhältnis der hauptamtlich tätigen MitarbeiterInnen den Stellenanteilen nach ausgeglichen.
- Das Zahlenverhältnis der Mitarbeitenden mit Werkverträgen liegt bei 13 männlichen zu 8 weiblichen, dass der Honorarkräfte bei 11 männlichen zu 6 weiblichen (Stand 2003 – 2006).
- Das Zahlenverhältnis der PraktikantInnen seit 1995 liegt bei 6 männlichen zu 43 weiblichen. Der weitaus höchste Anteil der Praktika wurde im Bildungsbereich gemacht, gefolgt vom Kulturbüro. Wenige Praktika wurden in den Bereichen Auslandsprojekte, Verwaltung und Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit absolviert.
- Bisher gab es 4 BerufspraktikantInnen im Anerkennungsjahr, 1 männlichen und 3 weibliche.
- Weitere interne Regelungen: Das Welthaus erstattet anfallende Kinderbetreuungskosten bei Vorstandssitzungen
- Aus den einzelnen Gesprächen mit den Mitarbeitenden ergeben sich folgende Einschätzungen:
- Die Beanspruchung von Elternzeit gestaltet sich unproblematisch, d.h. die Arbeitszeit kann flexibel gestaltet werden.
- Die Zusammenarbeit und das Arbeitsklima werden als angenehm und ausgeglichen bewertet. Als ein Grund wird das ausgeglichene Geschlechterverhältnis angeführt.
Im Rahmen der nach Außen wirkenden Arbeit:
- Eine Auswertung der Pressemitteilungen und –berichte zeigt, dass die Repräsentation des Welthaus Bielefeld in der Öffentlichkeit und in den Medien in einem ausgeglichenen Verhältnis durch männliche und weibliche Mitarbeitende erfolgt.
- Die Darstellung gleichstellungspolitischer Themen in der Arbeit des Welthaus Bielefeld findet in der Öffentlichkeitsarbeit noch zu wenig statt.
- Bücher und Bildungsmaterialien nehmen häufig, aber nicht grundsätzlich geschlechtersensible Perspektiven ein.
- Die Kontakte zu Partnerorganisationen im Ausland ergeben sich zum großen Teil über Hausgruppenmitglieder, hauptamtliche MitarbeiterInnen oder die anderen Vereine im Welthaus. Insgesamt erscheint der Geschlechteraspekt als ein nachrangiges Kriterium bei der Auswahl möglicher ProjektpartnerInnen.
- Die öffentliche Repräsentation der Auslandsprojekte erfolgte bisher noch nie unter den übergeordneten Themen Frauen, Geschlechterverhältnisse oder ähnliches.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Umsetzung von Gender Mainstreaming im internen Bereich hinreichend und gut ist. Die Schwächen liegen im externen Bereich. Hier besteht noch Handlungsbedarf hinsichtlich einer bewussten und kontinuierlichen Anwendung von Gender Mainstreaming.
2. Ziele des Gender Mainstreaming
- „Die Stärkung der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Stellung der Frau nach dem Gender-Ansatz“ wird weiter verfolgt.
- Gender-Mainstreaming kommt als eine Arbeitsweise in allen Bereichen zur Anwendung.
- Das Welthaus ist in der Öffentlichkeit als Organisation bekannt, die eine geschlechtersensible Perspektive im Zusammenhang von Entwicklungspolitik einnimmt.
- Das Welthaus spricht mit seiner Arbeit Frauen als eine Zielgruppe an.
Zwischenziel als Grundlage für das gesamte Konzept: Gender Mainstreaming wurde mit allen AkteurInnen des Welthauses thematisiert.
3. Konkrete Maßnahmen und zukünftige Aufgaben
- Gender Mainstreaming als inhaltliches und operatives Ziel des Vereins wird in allen Organen weiterhin thematisiert
- Anwendung einer geschlechterkompetenten Sprache in allen Publikationen
- Bei repräsentativen Aufgaben werden geschlechtergerecht wahrgenommen
- Wirkungsweisen und Materialauswahl werden unter Gender Mainstreaming Aspekten vorgenommen
- Partnerorganisationen werden unter Berücksichtigung des Gender Mainstreaming ausgewählt
- Bei Veranstaltungen (politisch, kulturell) wird auf eine geschlechtergerechte Auswahl von Teilnehmenden geachtet
Für eine nachhaltige Umsetzung von Gender Mainstreaming im Welthaus Bielefeld ist eine fortlaufende Überprüfung und Angleichung der Ziele und Wirkungsweisen unerlässlich. Dazu muss das vorliegende Gender-Konzept regelmäßig mit allen Beteiligten thematisiert werden. Weiter besteht die Möglichkeit, neue Maßnahmen hinzuzufügen oder nicht mehr Notwendige aus dem Maßnahmenkatalog zu streichen. Einige Probleme und offene Fragen werden sicherlich weiterhin bestehen und lassen sich auch nicht einfach auflösen.
Dazu gehören:
- Je nach Thema gibt es keine große Auswahl an Material mit geschlechtsspezifischer Perspektive, z.B. Statistiken. Der Zeitaufwand für eigene Recherchen kann nicht immer finanziert werden. D.h., eigene Publikationen können nicht besser sein als die vorhandene Datenlage
- Bei bestimmten Themengebieten oder Musikrichtungen ist die Auswahl an qualitativ hochwertigen Musikerinnen oder Rednerinnen eingeschränkt.
- Kontakte mit Partnerorganisationen ergeben sich zum Teil nach anderen Kriterien (insbesondere persönliche Kontakte)
- Die teilweise Abhängigkeit von Projektanträgen begrenzt die Spielräume bei der Konsequenten Umsetzung von Gender Mainstreaming im Zusammenhang mit zuwendungsfähigen Kosten.
Ein Instrument zur Umsetzung von Gender Mainstreaming stellt die beigefügte Tabelle dar.
[Erläuterungen dazu: Die Tabelle ist ein angebotenes Hilfsmittel und kann als Checkliste für unterschiedliche Tätigkeiten eingesetzt werden. Die Einteilung richtet sich nach vier Tätigkeiten: Öffentlichkeitsarbeit, Projekte (Inlands- sowie Auslandsprojekte), Publikationen und Veranstaltungen. Im Leitfaden in der rechten Spalte sind die verschiedenen Maßnahmen aufgelistet, welche die Umsetzung von Gender Mainstreaming gewährleisten sollen. Je nach Tätigkeit werden diese auf ihre Relevanz hin geprüft und kommen ggf. zur Anwendung.]
Erstellt von Sarah Potthoff, Februar 2006


