Der Arbeitskreis „Bielefeld postkolonial“ ist eine Gruppe von Bielefelder Bürgerinnen und Bürgern, die an die Geschichte und die Auswirkungen des deutschen Kolonialismus erinnern wollen. Diese Geschichte aufzuarbeiten, sie ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, ist das Ziel von „Bielefeld postkolonial“.
Wir organisieren Veranstaltungen (Vorträge, Filmreihen, Ausstellungen), die auf Orte der kolonialen Erinnerung in Bielefeld hinweisen und eine Diskussion über den Umgang mit dem „kolonialen Erbe“ in unserer Stadt anstoßen. „Bielefeld postkolonial“ sieht sich als Teil der Initiative „Deutschland postkolonial“, welche sich für eine nachhaltige Erinnerungs- und Versöhnungspolitik in Deutschland und den Ländern der ehemaligen Kolonien einsetzt.
Was hat Kolonialismus mit Bielefeld zu tun?
Diese Frage stellen wir uns zunächst mit einer gewissen Berechtigung, denn Bielefeld hat keinen Hafen, in dem Güter aus den Kolonien angekommen sein könnten, unsere Stadt hat weder einen bedeutenden Kolonialisten hervorgebracht noch ist sie Sitz einer der großen Firmen, die ihren Aufstieg den deutschen Kolonien verdanken.
Dennoch hat auch unsere Stadt eine koloniale Vergangenheit: so gab es in Bielefeld eine Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft, zu deren Mitgliedern zahlreiche namhafte Bielefelder Kaufleute zählten. Die 1886 von Friedrich von Bodelschwingh mitgegründete Evangelische Mission für Deutsch-Ostafrika wurde 1906 zur „Bethel-Mission“ mit Sitz in Bielefeld. Die „Bethel Mission“ spielte eine große Rolle bei der Kolonisierung Ostafrikas. In der „Sklavenfreistätte“ Lutindi des Evangelischen Afrika Vereins richtete die Bethel Mission das erste „Irrenhaus“ auf afrikanischem Boden ein. In der Mission selbst arbeiteten zahlreiche Freiwillige und Diakone aus Bielefeld. Auf dem Alten Friedhof in Bethel liegen drei afrikanische Kinder begraben, die in Bielefeld verstorben sind.
Mit der „Karl-Peters-Str.“ ist eine Bielefelder Straße nach einer der Leitfiguren der deutschen Kolonialbewegung benannt. Karl Peters schloss zunächst auf eigene Faust fragwürdige Verträge mit dem Sultan von Sansibar über große Ländereien in Ostafrika, die danach durch den deutschen Kaiser legalisiert wurden. 1891 wurde er aufgrund seiner Verdienste zum Reichskommissar für Deutsch-Ostafrika ernannt. Wegen der Brutalität seines Vorgehens u.a. im Zuge der Emin-Pascha-Expedition wurde Karl Peters in Ostafrika „Mkono wa Damu“, der „Mann mit den blutigen Händen“ genannt.
Im Jahr 1963 wurde in Bielefeld-Stieghorst eine neue Straße nach dem „Afrikaforscher“ Karl Peters benannt. Derzeit befindet sich in der Bezirksvertretung Stieghorst ein Antrag auf Umbenennung der Straße in Beratung.
Der AK „Bielefeld postkolonial“ trifft sich regelmäßig und ist über das Welthaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 62, 33602 Bielefeld zu erreichen.
Ansprechpartner: Christoph Beninde, Tel.: 0521/9864852
Mail : christoph.beninde@welthaus.de



