25 Jahre Welthaus - Eine kleine Zeitreise

Ein Vierteljahrhundert gibt es das Welthaus Bielefeld. Die Anfänge des ursprünglichen Dritte Welt Hauses sind für viele ein Stück Geschichte, über das sie wenig wissen. Ein kleiner Rückblick über die Geschichte des Hauses von Jörg Schaaber.

Am Anfang stand ein Ruine - fast jedenfalls. Das Haus in der August-Bebel-Straße 62, das vor 25 Jahren zur Heimat des Dritte Welt Hauses werden sollte, befand sich in einem beklagenswerten Zustand. Aus Sicht der damaligen Eigentümerin, der Landesentwicklungsgesellschaft, war das Gebäude ohnehin zum Abriss bestimmt. Es sollte als Teil der hochfliegenden Straßenbaupläne im Bielefeld der 1970er Jahre einer Rechtsabbiegespur weichen. Die damaligen Mieter, das Aktionskomitee Afrika (Akafrik) und zwei Wohngemeinschaften, hatten sich zwar redlich Mühe gegeben, das Gebäude einigermaßen nutz- und bewohnbar zu machen, aber angesichts des maroden Zustands weiter Teile des Hauses war das eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe. Böden waren durchgefault, Fenster undicht und der Anbau war ein zugiger Lagerraum.

Die beiden Wohnungen im ersten und zweiten Stock beherbergten teilweise Akafrik-Mitglieder, von denen einige später eine gewisse Prominenz erreichten. So gehörte zu den ehemaligen Bewohnern des Welthauses der stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Michael Vesper (Gast) und Hans Verheyen, Grüner Bundestagsabgeordneter der ersten Stunde und heute bei der NRW-Stiftung Umwelt und Entwicklung.

Trotz der widrigen Verhältnisse forcierte eine Reihe von Gruppen die Gründung - darunter Akafrik, der Lateinamerika-Arbeitskreis, Frauen für Südafrika, der Arbeitskreis Solidarische Kirche und die Katholische Hochschulgemeinde. Der Hintergedanke: Gemeinsam kann man mehr für die Dritte Welt bewegen.

Am Anfang stand eine große Umbauaktion

Erdgeschoss und Anbau des markanten Gebäudes standen für das neugegründete Dritte Welt Haus zur Verfügung, beziehungsweise mussten in einer großen Umbauaktion erst einmal nutzbar gemacht werden. Gemeinsames Arbeiten verbindet, das galt auch für den teilweise knochenharten Umbau. Erste gemeinsame Projekte entstanden: Der Laden als niedrigschwelliges Angebot und gleichzeitig als Vorzeigeobjekt für fairen Handel. Eine Bibliothek, die wichtige Werke zur Entwicklungspolitik der Öffentlichkeit zugänglich machte und gleichzeitig auch eine wichtige Funktion für die Hausgruppen hatte.

Das Haus wurde in der Gründungsphase praktisch vollständig von Ehrenamtlichen betrieben. Doch es gab ein starkes Bedürfnis, entwicklungspolitische Arbeit zur Hauptsache zu machen und sie nicht nur abends oder neben dem Studium zu betreiben. Erste Hauptamtlichen-Stellen konnten finanziert werden, teilweise aus ABM-Mitteln des Arbeitsamtes, bald kamen weitere (aus heutiger Sicht zu Niedriglöhnen) Beschäftigte hinzu.

Ein wichtiger Treffpunkt für viele Jahre war übrigens das gemeinsame Mittagessen. Es wurde reihum gekocht. Mit unterschiedlichem Erfolg: von Blockspagetti (wegen fehlendem Umrühren) bis zum echten Leckerbissen war alles dabei.

Neue Gruppen entstanden: In der Frontstaatengruppe befassten sich Engagierte mit Ländern im südlichen Afrika. Die El Salvador-Gruppe widmete sich zunächst mit Öffentlichkeitsarbeit und praktischer Unterstützung der Lage salvadorenischer Flüchtlinge, die sich wegen des Bürgerkriegs ins benachbarte Honduras gerettet hatten. (Heute geht es zum Glück um den Aufbau der Infrastruktur für die inzwischen Zurückgekehrten).

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Gemeinsam arbeiten, kochen und protestieren

Gemeinsame Aktionen und Welthaus-spezifische Angebote spielten schon bald eine wichtige Rolle für die Außendarstellung des Hauses. Das reichte vom Kochkurs mit Speisen aus der Dritten Welt, über Mahnwachen vor der Deutschen Bank, die in die Apartheid tief verstrickt war, bis hin zu kulturellen Veranstaltungen. Der Kochkurs, der eine Zielgruppe ansprach, die sonst schwer für Entwicklungspolitik zu interessieren war, hatte bei allem Erfolg aber auch seine Tücken. So machte ein unsachgemäß geöffneter Dampfkochtopf mit Linsensuppe anschließend eine Renovierung der Küche nötig.

Gemeinsame Fahrten von Mitgliedern verschiedener Hausgruppen und Hauptamtlicher zu wichtigen Ereignissen prägten auch Gemeinsamkeiten. Das Spektrum reichte von Friedensdemos über den Gegenkongress zur Tagung des Internationalen Währungsfonds, der die Grundlage für die Entschuldungskampagne legte, bis hin zur Demo gegen das Atomkraftwerk Brokdorf. Alles Themen übrigens, die zu ihrer Zeit eine wichtige Rolle in der Öffentlichkeitsarbeit des Hauses spielten.

Die Musik ließ auch nicht lange auf sich warten. Zunächst wurden MusikerInnen auf Initiative einzelner Gruppen eingeladen. Unvergesslich zum Beispiel die "Sounds of Soweto" mit ihrem Gummistiefel-Schuhplattler. Konzerte und Theaterstücke gab es immer häufiger. Schließlich entwickelte sich daraus das Kulturbüro als eigenständiger Arbeitsbereich, der die heute aus Bielefeld kaum mehr wegzudenkenden Weltnächte organisiert. Aus diesem Namen entstand letztlich auch der Impuls, das Dritte Welt Haus in Welthaus umzubenennen.

Zu Beginn des Dritte Welt Haus standen Solidarität und entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. Die Hausgruppen machten auf die Lage "ihrer" Länder aufmerksam. Daneben standen allgemeine Themen wie eine Kritik der staatlichen Entwicklungspolitik, die Strukturanpassungspolitik des Internationalen Währungsfonds und die Verschuldung der armen Länder im Mittelpunkt. Schon früh waren direkte Kontakte mit dem Süden geknüpft. Hier nur zwei Beispiele: Zwischen der Nkululeko-Farmschule in Zimbabwe und der Gesamtschule Schildesche wurde eine Schulpartnerschaft geknüpft, die über mehrere Jahre zu einem lebhaften SchülerInnenaustausch führte. Die Nicaragua-Solidarität mündete in die Städtepartnerschaft mit Esteli. Letzteres war ein durchaus schwieriger Prozess, da die Kommunalpolitik doch erhebliche Schwierigkeiten hatte, sich den "Radikalinskis" aus dem Welthaus zu nähern.

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Das Welthaus wurde schnell bundesweit bekannt

Aus der Solidaritätsarbeit entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Entwicklungshilfeprojekte. Vielleicht hat neben der immer professionelleren Öffentlichkeitsarbeit auch diese handfeste Arbeit über die Jahre nicht wenig zum Ansehen des Welthauses in der Stadt und weit darüber hinaus beigetragen.

Relativ bald nach der Gründung begann auch die gezielte Arbeit mit LehrerInnen und SchülerInnen mit thematischen Wochen. So gab es Mitte der 1980er Jahre eine Woche zu "Politischen Flüchtlingen in der BRD". Dazu wurden Begegnungen mit Asylsuchenden, Referate und ein Stadtspiel geboten, bei dem die SchülerInnen die Stationen besuchten, die auch AsylbewerberInnen durchlaufen müssen. Aus solchen Angeboten entwickelten sich die Mediothek und die heute beliebten Bildungsprogramme. (Mein Lieblingstitel ist immer noch "Wo wächst die Schokolade?") Mit Unterrichtseinheiten, dem "Atlas der Weltverwicklungen", entwicklungspolitischen Spielen, Aktionskoffern und Projektkisten stieß das Welthaus in eine echte Marktlücke und wurde überregional bekannt.

Die interne Organisation des Hauses war zu Anfang stark von basisdemokratischen Strukturen geprägt, alle konnten in 14-tägigen Hausversammlungen mitreden. Es wurde in wechselnder Zusammensetzung viel, lang und mit Leidenschaft diskutiert. Der Vorstand spielte (abgesehen von der Vertretung nach außen) eine untergeordnete Rolle. Dazu kamen wöchentliche MitarbeiterInnenbesprechungen, die mit der wachsenden Zahl der Hauptamtlichen und der Aufgaben zu echten Marathonsitzungen wurden. Das waren nicht immer einfache Zeiten, aber alle haben eine Menge gelernt. Mit externer Hilfe wurde 1989 ein neues Modell beschlossen: ein Hausgremium mit zwei gewählten Mitgliedern aus jeder Gruppe und zwei MitarbeitervertreterInnen. Die Hauptamtlichen wählt drei GeschäftsführerInnen. Auch das ist längst Geschichte.

Viele Konflikte konnten auf zufriedenstellende Weise gelöst werden, aber manch wichtiger nicht. Dazu gehörte die Auseinandersetzung um die Quotierung von Stellen. Als eine neue Stelle - entgegen den Vereinbarungen - nicht mit einer Frau besetzt werden sollte, war das Maß voll. Es kam zu einem heftigen Eklat, der Gründung einer Frauengruppe und letztlich zum endgültigen Auszug einiger aktiver Frauen.

Arbeitsteilung galt in der Anfangszeit als unchic. Alles was nach einer vertikalen Struktur aussah, war verpönt. Also galt es nicht nur zu recherchieren und einen Rundbrief zu schreiben, selbstverständlich musste er auch selbst eingetütet werden und zur Post getragen werden. Zwischendurch wurden noch schnell Klo oder Küche geputzt. Das hatte zwar einen gewissen Charme, war aber nicht immer sehr effektiv. Ja, und die Technik: Was jüngeren LeserInnen bare Selbstverständlichkeit ist, nämlich leistungsfähige Computer, gab es zu Anfang der Welthaus-Zeit noch nicht. Schreibmaschine war angesagt - immerhin schon elektrisch.

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Der erste Büro-Computer bekam einen Sehschlitz

Korrekturflüssigkeit wurde reichlich gebraucht und Layout fand mit Schere und Klebstoff statt. Erster Fortschritt war eine Kugelkopfschreibmaschine eines bekannten deutschen Herstellers (gebraucht), zum Glück mit Wartungsvertrag erworben. Der Techniker, der bald im Schnitt alle 14 Tage zum Reparieren kam, war nett und trank gern mit uns Kaffee. Nach nicht ganz einem Jahr nahm die Firma die Maschine bereitwillig zurück und erstattete den Kaufpreis. Die nächste Maschinengeneration mit 30-Zeichen-Display war dann ein echter Technologiesprung. Aufgerüstet konnte man kurze Texte sogar speichern und mit einiger Geduld auch wieder abrufen. Die Anschaffung des ersten "echten" Computers war dann keineswegs unumstritten. Ein misstrauischer Kollege fertigte eine dicke Blechplatte mit kleinem Sehschlitz für den Monitor - wegen der Strahlung. Er hatte bei den damaligen Werten gar nicht so unrecht.

Positiv besetzt für alle Beteiligten waren die (unregelmäßigen) Betriebsausflüge, die zu so unterschiedlichen Zielen wie Hamburg (einschließlich alternativer Hafenrundfahrt zur Kolonial- und Wirtschaftsgeschichte) und dem Sauerland führten. Die Wanderung dort war wirklich wunderschön, aber der Weg wurde immer länger und nur die gesammelten Kartenlesekräfte und ein zum Glück mitgebrachter Kompass führten zurück zur wohlverdienten Stärkung in einer Gaststätte. Nicht auszudenken, wenn die halbe Besatzung des Hauses in den tiefen Wäldern des Sauerlandes verschollen wäre.

Ein Einschnitt brachte das Jahr 1986. Die Stadt hatte ihre Straßenpläne an der Paulusstraße aufgegeben und die Landesentwicklungsgesellschaft bot das Haus zum Verkauf an. Das war eine echte Bedrohung: Würde ein Käufer das Welthaus dulden? Wäre die Miete überhaupt noch bezahlbar? Es entstand die Idee, das Haus selbst zu kaufen. Das bedeutete aber auch eine Antwort auf die Frage zu geben: Sind wir in der Lage und Willens, das Haus langfristig weiterzuführen?

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1988 kauft der Verein das Haus

Die nächsten Monate brachten ein enormes Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen. Eine erfolgreiche Spendenkampagne wurde organisiert, und die Evangelische Kirche trug mit einem nicht rückzahlbaren Darlehen den notwendigen Rest bei, so dass das Haus Ende 1988 gekauft werden konnte. Relativ kurz nach diesem Erfolg standen wir vor einem neuen Problem: Die erste Etage des Haupthauses, die die damalige Mieterin gekauft hatte, stand plötzlich zum Verkauf. Nach so kurzer Zeit noch einmal eine Spendenkampagne aufzulegen war undenkbar. Die BUKO Pharma-Kampagne, die mehr Platz brauchte und bereits fertige Ausbaupläne für den Dachboden hatte, organisierte, dass eine Berliner Stiftung diese Etage kaufte und zu einer niedrigen Pacht langfristig dem Welthaus überlies. Das beinhaltet auch das gute Gefühl, dass die Miete an die Stiftung fließt und von ihr direkt guten Zwecken zugeführt wird.

Eine besondere Geschichte ist auch mit dem Wandgemälde verbunden, das auch noch nach vielen Jahren als bunt leuchtendes Erkennungszeichen des Hauses wirkt. Entstanden ist es im Rahmen der Aktionen zu "500 Jahre Eroberung Lateinamerikas" als Gemeinschaftswerk einer mexikanischen und zweier Bielefelder KünstlerInnen. In der Planungs- und Produktionsphase gab es einen intensiven Kontakt zu den KünstlerInnen, die zum Teil fast im Hause lebten. Beinahe wäre aber alle Mühe umsonst gewesen, denn die Stadt Bielefeld wollte die Bemalung des Hauses untersagen. Sie war politisch nicht bei allen erwünscht. In zähen Verhandlungen gelang es, die Verantwortlichen zu überzeugen. Zur Einweihung erschien dann sogar der städtische Baudezernent.

Dies ist ein sehr persönlicher und auch selektiver Blick auf die Geschichte des Welthauses. Viele wichtige Ereignisse passten nicht auf diese Seiten, aber vielleicht regt es den einen oder die andere an, die "älteren" KollegInnen mal zur Vergangenheit des Hauses zu befragen. Sicherlich kommen dabei noch viele interessante, spannende und manchmal auch amüsante Geschichten zu Tage.

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Jörg Schaaber
, Soziologe und Gesundheitswissenschaftler, war in der Gründungsphase ehrenamtlicher Mitarbeiter Dritte Welt Hauses und hat bei vielen Anlässen als Fotograf für das Haus gewirkt. Er arbeitet für die BUKO Pharma-Kampagne - die seit ihrer Gründung 1981 ihre Büros im Welthaus hat - und ist dort u.a. für die Zeitschrift "Pharma-Brief" verantwortlich.

Neue Räume für Entwicklung

Nach der Einweihung des neuen Kompetenzzentrums für globales Lernen im September 2007 ist das von der "Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen" geförderte Projekt am 15. Dezember 2008 endgültig abgeschlossen worden. Unser Dank gebührt allen, die dieses Gebäude durch Spenden, Zuschüsse und persönliches Engagement ermöglicht haben.

Es wurde gesungen, gefeiert, getanzt und viele Dankesworte gesprochen – viele hundert Menschen feierten im September 2007 das Ergebnis eines ehrgeizigen Projektes: die Eröffnung des neuen Anbaus als „Kompetenzzentrum für globales Lernen“ im Welthaus Bielefeld.

Mehr als zwei Jahre hatten die Vorarbeiten gedauert, bis die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen im Februar 2006 grünes Licht für die Förderung der umfangreichen Baumaßnahme gab.

Das Ziel: auf dem bestehenden Grundstück aus einem maroden Anbau zeitgemäße, neue Räumlichkeiten für eine zukunftsfähige Bildungsarbeit des größten Eine-Welt-Zentrums in Ostwestfalen-Lippe zu schaffen. Damit wurde ein lang gehegter Wunsch des Vereins wahr, denn der alte Anbau des markanten Hauses an der August-Bebel-Straße – er stammt aus den 1920er Jahren – wurde den vielfältigen Nutzungsansprüchen für eine gute Bildungs- und Vereinsarbeit nicht mehr gerecht.

„Sowohl Bausubstanz als auch Raumzuschnitte waren schon längst nicht mehr angemessen für die vielen Gruppen und Projekte, die sich hier im Hause treffen“, erläutert Geschäftsführerin Ulrike Mann die Ausgangssituation im Jahr 2005. "Der Bau hatte sich seit Jahren abgesenkt und das Platzangebot reiche bei weitem nicht aus."

Ermutigt durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen begann ein intensiver Planungsprozess unter Einbeziehung aller Beteiligten. „Hier ist das Geld gut angelegt“, kam die positive Rückmeldung vom Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, dem ehemaligen außenpolitischen Sprecher der CDU, Karl Lamers. Unter Anleitung des Architektenteams Klaus Beck und Sven Detering wurde der Neubau in einem parizipatorischen Prozess und unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit geplant und umgesetzt.

Ziel war es, ein multifunktionales Gebäude auf begrenztem Raum zu errichten,  welches zugleich einen attraktiven Lernort für Schulen darstelllt, eine Verbesserung der Service-Leistungen ermöglicht, lokale Gruppen in ihrer Arbeit zur Verfügung steht und nicht zuletzt die Arbeitsläufe im Welthaus Bielefeld optimiert.

Gleichzeitig sah das Konzept vor, dass die Inhalte, mit denen sich das Welthaus Bielefeld beschäftigt, auch durch das Gebäude selbst sichtbar würden.

Am konkreten Beispiel des ökologischen und regionalen Bauens sollte ein eindrucksvolles Vorbild für Nachhaltigkeit geschaffen werden.

Wo immer möglich, wurden nachwachsende Rohstoffe aus regionalen Wirtschaftskreisläufen als Baumaterialien verwendet, die einzelnen Baustoffe kritisch auf ihre ökologischen Eigenschaften hin geprüft. Energieeffiziente Beleuchtung, hochwirksame Dämmstoffe und Photovoltaikmodule stehen für bestmögliche Energienutzung.

Besonders augenfällig ist die Nutzung CO²-neutraler Baustoffe an der Außenfassade, welche aus unbehandelten, heimischen Eichenbrettern ist.

Dabei stieß die Gestaltung sowohl hinsichtlich der Form als auch des Materials zunächst auf viel Skepsis bis hin zu Ablehnung in genehmigungsrelevanten Fachkreisen der Stadt Bielefeld. Insgesamt gesehen war die Zusammenarbeit mit allen Behörden und insbesondere dem Bauamt jedoch ausgesprochen positiv. Dafür sei an dieser Stelle allen Beteiligten herzlich gedankt.  

Große Unterstützung erfuhr das Bauprojekt auch durch ein internationales Workcamp von zehn Freiwilligen aus sechs Ländern Europas, Asiens und Amerikas, welche für drei Wochen ihre Zeit, Kraft und Fähigkeiten unentgeltlich zur Verfügung stellten. Unter fachlicher Anleitung errichteten sie die Holzfassade und brachten die Deckenverkleidungen an.

Das Engagement des Workcamps, zusammen mit dem Einsatz der Vereinsmitglieder und den unbezahlten Stunden angestellter Mitarbeiter/innen für „ihren“ Neubau, beläuft sich auf über 2.000 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden.

Das entspricht rund einem Drittel der 17,7% Eigenbeteiligung, welche das Welthaus Bielefeld an den Gesamtkosten in Höhe von 682.552,45 Euro zu tragen hatte. Mit 561.893,65 Euro stammt der größte Teil der Förderung von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. Weitere Finanziers sind lokale Unternehmen und die Aktion Mensch. Neben den geldwerten ehrenamtlichen Arbeitsstunden blieb ein Betrag von 96.450 Euro, welcher aus privaten Spendenmitteln beschafft werden musste. Dazu wurde die Aktion „Neue Räume für Entwicklung“ aus der Taufe gehoben mit dem Ziel, 40.000 Euro an Spenden zu erzielen.

Der Anreiz: selbst gefertigte Ziegel aus dem westfälischen Ziegeleimuseum in Lage wurden mit dem Welthaus-Logo versehen und ab einer Spende von 100,- € gab es das Unikat, eine Urkunde und einen Eintrag in die Welthaus-Spendertafel im Neubau. „Sicherlich wird einem bei Summen dieser Größenordnung etwas mulmig zu Mute, aber wir wissen, dass es in Bielefeld ein großes Potenzial an Menschen gibt, die bereit sind, sich für andere zu engagieren“, sagte damals Holger Jantzen, Fundraiser und Ideengeber der Ziegel-Kampagne.

Und er sollte Recht behalten. Mehr als 280 Einzelspender/-innen kamen dem Aufruf nach, spendeten einen symbolischen Ziegel und erfüllten die selbst gesetzte Vorgabe. Auch die Suche nach Sponsoren, weiteren Zuschussgebern und Unternehmen als Großspendern

– neben der Eigenleistung und den Privatspendern die dritte Säule der Eigenmittelbeschaffung – konnte Erfolge verbuchen, wenngleich die Zielvorgabe von 48.000 Euro nicht ganz erreicht wurde.

So entstand in nur 14 Monaten Bauzeit ein Gebäude, das schon durch seine Formensprache ein „Welt“-Haus ist. Wahlweise an ein Ei, ein Samenkorn, eine Rundhütte oder die Welt erinnernd, hat das Gebäude innerhalb kürzester Zeit auf Grund seiner einzigartigen Architektur dem Stadtbild eine unverwechselbare Komponente hinzugefügt und die überregionale Bedeutung des Welthaus Bielefeld eindrucksvoll erweitert. Die vorwiegend in Eigenleistung ausgebauten Seminar- und Gruppenräume auf drei Stockwerken bieten den lang ersehnten Platz, hinzu kommen geräumige Laggerräume im Keller.

Versehen mit einer guten technischen Ausstattung, Räumen für Gruppen von 12 - 50 Personen und Möglichkeiten des Catering, bietet das neue Welthaus Bielefeld ein attraktives Angebot für externe Gruppen und Veranstaltungen.

Für die Bildungsarbeit des Welthauses wurde die Mediothek ausgeweitet und das Serviceangebot deutlich verbessert. Eigenständige Recherche-Arbeitsplätze erlauben es den Besuchern der Bibliothek, unter fachkundiger Anleitung selbständig am Computer zu arbeiten. Eine großzügige Leseecke mit internationalen Zeitschriften lädt zum Verweilen ein, im angegliederten Weltladen können fair gehandelte Produkte probiert und gekauft werden.

Von zentraler Bedeutung war und ist der Einbau einer Aufzugsanlage, die erstmals den barrierefreien Zugang zu den Bildungsräumen des Welthaus Bielefeld ermöglicht. Dieses Anliegen hatte trotz der hohen Investitionskosten und laufenden Belastungen, die sich für den Verein daraus ergeben, von Anfang an eine hohe Priorität.

„Endlich können auch ältere Menschen und Gehbehinderte unsere Angebote wahrnehmen und sich aktiv einbringen“,freut sich Geschäftsführerin Ulrike Mann.

Eine Klanginstallation mit Instrumenten aus Holz, Erz und Früchten im Treppenhaus des Neubaus belegt die Vielfalt der Kulturen der Welt und die natürlichen Schätze dieser Erde, die es zu bewahren gilt.

Mit dem Kompetenzzentrum für globales Lernen hat das Welthaus Bielefeld ein gutes Fundament für die zahlreichen Herausforderungen der kommenden Jahre gelegt. Der Kampf um soziale Gerichtigkeit und eine ökologisch zukunftsfähige Entwicklung dauert an, Klima-, Finanz- und Nahrungsmittelprobleme bedrohen Millionen von Menschen und den Weltfrieden.

Das Welthaus Bielefeld will in seinem Rahmen und mit seinen Möglichkeiten dazu beitragen, über Zusammenhänge und Lösungswege zu informieren und zu sensibilisieren, Menschen zum Handeln ermuntern, Politik beeinflussen und Solidarität mit den Armen der Welt leben.                                                        Dies wäre ein aussichtsloses Unterfangen ohne die Unterstützung unserer Spender und Spenderinnen, öffentlicher und privater Zuschussgeber, sozial verantwortlicher Unternehmen und Organisationen sowie vielfältiger Kooperationspartner im In- und Ausland.

Ihnen verdanken wir nicht nur ein neues Gebäude, sondern die Handlungsfähigkeit unseres ganzen Vereins. Vielen Dank.

 


Der Neubau wurde gefördert von:

                      

... und der Sparkasse Bielefeld, die den Neubau im Rahmen des PS Sparens mit einer großzügigen Spende förderte.

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