Dokumentarfilm zum Wiederaufbau nach dem Hurrikan „Mitch“ - „El nuevo amanecer“

Autor und Regisseur : Stefan Jankowiak (Kontakt: stefan@ibw.com.ni)

Dokumentarfilm über Menschen in Estelí, ihre Errungenschaften und Niederlagen und ihre Kraft, ihre Ausdauer und ihr ungebrochener Optimismus, der Realität das Leben abzuringen,
ca. 20 Min., Video Beta SP

Glenda Lopez ist eine stolze Frau. Das Haus in dem sie mit ihren 5 Kindern und ihrem Mann lebt hat sie selbst gebaut. Natürlich nicht ganz alleine. Auch die Männer haben Beton gemischt und Steine übereinander geschichtet. Aber sie hat, gemeinsam mit anderen Frauen des Barrios die dicken Eisen gebogen, die notwendig sind, damit das nächste Erdbeben nicht alles wieder in wenigen Sekunden zunichte macht so, wie im Oktober 1998 der Hurrican Mitch, der nach tagelangem Dauerregen ihr Haus am nahen Fluss davontrug mit all dem, was ihnen wichtig war. Damals schien alles verloren,  monatelang mussten sie danach in Plastikhütten leben. Dann kam der Aufbruch. Die Alcaldia gab das Land, Spendengelder kamen aus den Partnerstädten Estelís und der Europäischen Union. Heute leben im neuen Barrio La Porra 142 Familien.

Der Film stellt die Familie Lopez in den Mittelpunkt seiner Handlung.

Mit Glenda Lopez erleben wir nicht nur ihr alltägliches Leben und das ihrer Familie, mit Glenda erfahren wir mehr über das die soziale Situation im neuen Barrio. Zwei Jahre gehörte sie dem Selbstverwaltungsgremium von La Porra an. Sie kennt die Nöte, Sorgen und Probleme wie kaum eine Andere. Glenda, die Krankenschwester ohne feste Arbeitstelle, wird oft gerufen, wenn wieder ein Kind erkrankt ist oder wenn jemand dringend eine Spritze braucht. Immer noch ist die Krankenversorgung in Nicaragua eine Katastrophe, wer keine feste Arbeit hat, und dass sind wenige bei 60% Arbeitslosigkeit, ist nicht krankenversichert. Für alle anderen gibt es dem Gesetz nach eine gesundheitliche Mindestversorgung – das aber bedeutet, wer im Krankenhaus ärztlich behandelt wird muss alles mitbringen. Verbandszeug und Medikamente, Injektionen und Tücher. Und wer auch nur annähernd medizinisch versorgt werden will muss dem Arzt oft noch Geld zustecken. Bei einem familiären Monatseinkommen von unter $ 100 Dollar eine Unmöglichkeit.

Oscar Lopez, Glendas Mann, begleiten wir durch Esteli. Als sogenannter „Ambulante“ ist er den ganzen Tag mit seinem Bauchladen unterwegs, verkauft Scheren, Rasierklingen, Schnürsenkel, Streichhölzer – sein täglicher Verdienst liegt oft unter $ 3 Dollar. Mit ihm erfahren wir mehr über die Stadt, das nördliche Handelszentrum Nicaraguas. Wir kommen vorbei an den kleinen Betrieben, die Ledersättel herstellen und Möbel. Der Markt von Esteli ist der Umschlagplatz für Obst und Gemüse in der Region. Oscar berichtet über die vielen, oft fehlgeschlagenen Versuche Arbeit zu finden.

Zum Thema Arbeit unternehmen wir einen Abstecher zum Projekt „Mujeres de Ambientalistas“ – ein Frauenprojekt das vom Casa de los Tres Mundos mitfinanziert wird.
Acht bis zehn Frauen aus dem Barrio Borris Vega und Conura sammeln Altpapier und stellen daraus mit einfachsten Mitteln Recyclingpapier her, dass als Geschenkverpackung oder als Bedruckstoff verwendet werden kann. Diese Arbeit, die auch einen ölkologischen Aspekt mit einschließt, sichert den Frauen ein minimales Einkommen.

Harvis Lopez, mit 20 der älteste Sohn der Familie ist der Einzige, der ein festes Einkommen hat, 80 Dollar im Monat. Tag für Tag rollt er an die 400 Puros, Zigarren die später für teures Geld von „vornehmen Leuten“ geraucht werden. Anlass einen kurzen Abstecher zur Landwirtschaft rund um Estelí zu unternehmen. (Tabakanbau, Rinderzucht und Kaffeeanbau)

Von Harvis wollen wir aber vor allem mehr über die Jugend, seine Jugend erfahren. Einmal in der Woche in die Disko (wenn er Geld über hat)  - ansonsten ist der Parce Central der open air Jugendtreff von Esteli - viel mehr (außer Telenovelas) gibt es scheinbar nicht. Vor allem will sich Harvis weiterbilden – jetzt überlegt er, doch einen Computerkurs zu machen – vielleicht hat er später einmal die Chance in Managua zu arbeiten.

Überhaupt scheint die Jugend in Nicaragua förmlich nach mehr Bildung und kreativen Angeboten zu dursten. So ist die Nachfrage in der Malschule der Muralistas (Wandmalerei) enorm. Hier werden für Kinder und junge Erwachsene Kurse Angeboten. Mitfinanziert wird die Malschule vom Casa de los Tres Mundos – und alle zwei Wochen treten die Malbegeisterten mit ihren Lehrern an die Öffentlichkeit – dann verwandelt sich die Straße vor dem Gebäude in ein großes Freilichtatelier.

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